Wetter auf Teneriffa


Das Wetter auf Teneriffa ist für jeden interessant, der sich irgendwie mit Teneriffa befasst. Sei es für den Urlaub auf Teneriffa, wenn man sich sein Gepäck zusammenstellt oder auch nur eine Wanderung plant. Natürlich auch wenn man auf Teneriffa lebt und arbeitet. Viele Wettervorhersagen von überregionalen Diensten beziehen sich auf die gesamten Kanaren und betrachten die Großwetterlage. In der Praxis ist oft eitel Sonnenschein, wo Regen vorhergesagt wurde. Dennoch liefert der Wetterdienst Aemet gute Ergebnisse.

Das Wetter auf Teneriffa im Einfluss von Afrika

Um das Wetter auf Teneriffa zu verstehen, sollte man einige Eckpfeiler kennen und berücksichtigen.

Die topografische Zugehörigkeit der Kanaren zu Afrika ist der geografischen Lage geschuldet, so beträgt die Entfernung von Teneriffa nach Marokko gerade einmal rund 250 km. Das bedeutet konkret, dass die Wüste Sahara einen spürbaren Einfluss auf das Wetter in Teneriffa ausübt (Calima). Eine weitere wichtige Rolle spielen die nordöstlichen Passatwinde. Sie  nehmen über dem Meer Wasserdampf auf, steigen am Teide empor und entleeren sich wieder in Form von feinem Nieselregen.

Das ca. 80 Km lange Teneriffa ist durch den Teide mit seinen Ausläufern klimatisch zweigeteilt. Dabei spricht man oft vom verbrannten Süden, der sich zur Sahara hin ausrichtet und als Gegenstück dem kühleren Norden. So finden in nur 30 Minuten Fahrzeit Urlauber einerseits im Süden eine sonnenverbrannte Karglandschaft und im Norden eine suptropische grüne Landschaft mit üppigem, ungezügeltem Pflanzenwachstum. Eine ideale Ausgangsbasis sowohl für den Badeurlauber, als auch den anspruchsvollen Wanderer.

Temperaturunterschied zwischen Süd und Nord

Die Temperaturen sind im Süden durchaus oft 5-8 Grad höher als im Norden. Eine weitere Faustregel besagt, dass die Temperatur auf Teneriffa sich um etwa 1 Grad pro 100 Höhenmeter verringert. Wer also im Süden leicht gekleidet bei 28 Grad und 100 Meter über dem Meeresspiegel losfährt, wird im Norden bei gleicher Höhe meistens rund 23-24 Grad vorfinden. Wer dann von da aus weiter nach oben fährt, wird dann bei 500 Meter eine Temperatur von rund 20 Grad erfahren. Bei einer Weiterfahrt auf den Teide bewegt sich dann die Temperatur z.B. auf dem Teideparkplatz in rund 2.100 Meter oft bei 10 Grad.

Eine zwiebelschalenähnliche, bzw. flexible Bekleidung ist also für Besucher von Teneriffa eine gute Lösung.

Die Bedeutung der Nebelwolken

Die offiziellen Angaben von Niederschlägen sind mit Vorsicht zu genießen. Obgleich die offiziellen Werte anders aussehen, gab es z.B. im Orotavatal zwischen Mitte Mai und Ende November 2017 nur einen Regentag mit etwa 2 Stunden leichtem Regen. So sind die gelegentlich vom Meer in hoher Geschwindigkeit emporziehenden Nebelwolken eher ein kurzfristiges Naturschauspiel als eine Belastung.

Die Nebelwolken im Anagagebirge und auf der Nordseite von Teneriffa sind aber nicht nur ein beeindruckendes Naturschauspiel, sondern auch existenziell für die Wasserversorgung von Teneriffa. Dafür verantwortlich ist u.a. der Kanarenstrom.

Teneriffa - Anagagebirge

Der Kanarenstrom bezieht sein Wasser aus Teilen des Azorenstroms, des Portugalstroms und aufsteigendem nährstoffreichen Tiefenwasser. Dabei fließt er zunächst in südliche und dann in südwestliche Richtung entlang der nordwestafrikanischen Küste vorbei an den Kanarischen Inseln und sorgt hier das ganze Jahr hindurch für ausgeglichene Temperaturen. Bei den Kapverdischen Inseln biegt er dann ab in westliche Richtung und wandelt sich zum atlantischen Nordäquatorialstrom.

Dabei bringt der Kanarenstrom kühle und feuchte Meeresluft mit sich, die der Passatwind – ebenfalls von Nordosten kommend – die bergige Nordseite hinauftransportiert. Die nach oben steigende Luft bildet Wolken, die  sich in den Bergzügen sammeln und hier von der  kanarischen Kiefer ausgefiltert werden.

Die kanarische Kiefer ist ein endemischer Baum, der zwischen 15 und 25 Meter hoch wird und über etwa 30 cm lange Nadeln verfügt. An diesen Nadeln kondensiert der Nebel und tropft als zusätzliches Wasser auf den Boden, bzw. wird über die langen Pfahlwurzeln in den Boden abgegeben. Neben dem Regenwasser, aber auch dem geschmolzenen Schnee, wird das Wasser  in dem porösen Lavagestein gefiltert und gespeichert.

Galerien – die Wasserspeicher von Teneriffa

Hier wiederum trägt das Wasser zur Versorgung der Galerien bei. Das sind rund 1000 von Hand angelegte Stollen, in denen das Wasser gewonnen und gesammelt wird. Sie ziehen sich über eine Länge von etwa 2.000 km über Teneriffa. Von hier aus werden die Staubecken der Insel versorgt, bzw. verfügen auch viele Wassergemeinschaften – Zusammenschluss mehrerer Fincas – über direkte Leitungen aus diesen Galerien (span. galerias). Diese Leitungen werden dann von einem Verteiler zum nächsten unterverzweigt und versorgen damit die einzelnen Fincas.

So sorgen die Nebelwolken für das eindrucksvolle grüne Anagagebirge mit seinem Nebelwald und auch dafür, dass der Norden von Teneriffa einem grünen Naturwunder gleicht.

Und dann gibt es noch die Calima

Die Calima ist ein ganz besonderes Wetterphänomen und verändert das Wetter auf Teneriffa dramatisch. Die Calima ist eine Wetterlage mit teilweise sehr starkem Ostwind auf den Kanarischen Inseln (und natürlich auch den Kapverdischen Inseln). Er bringt heiße Luft und feinen Sand aus der Sahara mit. Ein fast plötzlicher Temperaturanstieg von über 10 – 15 Grad ist dabei keine Seltenheit.

Die Wetterlage auf den Kanaren ist in der Regel vom Passat bestimmt, der aus nördöstlicher Richtung weht. Bei einer Calima bringt der Wind aus der Sahara mit südöstlicher Strömung trockene, warme Luft und weht feinen Sandstaub mit. Hochdruck über der Sahara erhöht zuvor die Temperatur und verringert dabei die Luftfeuchtigkeit.  Die Sicht wird deutlich schlechter und beschränkt sich je nach Heftigkeit manchmal auf wenige hundert Meter. Durch den hohen Staubgehalt sind Reizungen der Atemorgane leicht möglich.

 

Calima auf Teneriffa

Bild: Besonders heftige Calima auf Teneriffa Ende Februar 2020

Normalerweise sind die Höhenlagen kühler als die Lagen in der Küstennähe, nicht jedoch im Norden bei Calima. Die heißen Winde ziehen über den Bergkamm und fallen dann im Norden von oben nach unten. Bei Calima ist es im Norden in Höhenlagen deutlich wärmer als in tiefen Lagen. Die Temperaturen können dabei so weit steigen, dass innerhalb kurzer Zeit ganze Vegetationen ausdörren.

Calimas kommen auf Teneriffa etwa alle 4-6 Wochen vor und dauern rund 5-8 Tage.

 

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