Leben und arbeiten auf der Finca

Leben und arbeiten auf der Finca – wir geben hier einige Erfahrungen weiter, die wir im Laufe der Jahre gemacht haben, die aber Ausnahmen sein oder sich an einem anderen Ort ganz anders darstellen können.

Finca

Der Begriff „Finca“ bedeutet soviel wie landwirtschaftliche Fläche. Eine Finca con casa ist eine landwirtschaftliche Fläche mit einem kleinen Gerätehaus, Stallung oder Wohnhaus. Fincas die in Küstennähe sind, sind eher klein, die weiter oben sind, sind eher etwas größer und im Kaufpreis auch günstiger. Je zentraler Fincas gelegen sind, umso höher sind sie in der Regel im Preis. Fincas ganz weit draußen oder weit oben sind eher günstig.

Leben und arbeiten auf der Finca

Eine Finca hat in den Augen vieler etwas mit Freiheit, Unabhängigkeit, Individualismus und Natur zu tun. Alles richtig. Aber eine Finca macht auch Arbeit, egal ob sie landwirtschaftlich oder nur als Garten genutzt wird. Es beginnt bei der Bewässerung, geht über die Blumen-, Gemüse- oder Baumpflege und endet auch irgendwann bei der Ernte und Verwertung der Ernteerträge. Eine Finca, die nicht laufend gepflegt wird, verwildert, zieht Ratten an und wird dann ganz schnell keine Freude mehr machen.

Wasser

Je nachdem, was man auf oder aus einer Finca machen möchte, ist neben der Eigentumssituation die Wassersituation ein ganz wesentliches Kriterium. Auch im eher klimatisch feuchteren Norden gibt es mehrere Monate hintereinander, an denen kein Tropfen Regen fällt. Das bedeutet, dass Nutz- und Zierpflanzen bewässert werden müssen, was je nach Wasserbezugsquelle spürbar ins Geld gehen kann.

Besonders wer sich im heißen Süden verwirklichen möchte, sollte sich der Tatsache bewusst sein, dass er häufig und viel bewässern muss. Je näher man sich an der Meereslinie befindet, umso höher ist die Temperatur. Gerade im Süden kann der Boden oft so steinhart werden, dass er über längere Zeit keine Feuchtigkeit aufnimmt, obwohl es auch da irgendwann einmal regnet. Die Folge ist, dass Pflanzen verbrennen und bei Regen heftige Sturzbäche entstehen können, die sogar in der Lage sind, ganze Straßen wegzureißen. Es ist also gerade im Süden notwendig häufig und auch viel zu bewässern. Und genau an dieser Ecke ist zu prüfen, welchen Status die Finca hat, ob sie berechtigt ist, günstiges Fincawasser zu beziehen. Ohne dieses günstige Fincawasser kann eine Bewässerung richtig teuer werden.

Temperatur

Die Temperaturen auf Teneriffa oder den Kanaren schwanken nicht so stark wie in Deutschland, wo sich die Bandbreite zwischen -25 Grad bis +35 Grad bewegt. Die Bandbreite auf den Kanaren liegt im Bereich von +10 bis +40 Grad. Über der Baumgrenze liegt im Winter auch Schnee bei deutlichen Minusgraden. Eine Faustregel gilt für die gesamte Insel, die besagt, dass die Temperatur pro 100 Höhenmeter um 1 Grad abnimmt. Wer also in Puerto de la Cruz z.B. bei 28 Grad am Strand schwitzt, wird in 500 Meter Höhe angenehme 23 Grad vorfinden.

Wer im Süden der Insel am Airport bei 35 Grad aus dem Flugzeug aussteigt, wird bei einer Fahrt nach Puerto de la Cruz dort eher 28 Grad vorfinden. Bei der Fahrt auf eine Höhe von 500 Meter sinkt die Temperatur auf rund 23 Grad.

Eine Ausnahme dieser Faustregeln stellt der „Calima“ dar, der Begriff für den heißen Wind aus der Sahara. Bei Calima sind die Höhenlagen deutlich heißer als die Lagen weiter unten. Bei Calima kann die Temperatur durchaus in einigen Regionen auf 800 Meter Höhe bis auf 45 Grad ansteigen. Und schlicht einfach die Vegetation oder Ernte verbrennen lassen. Der Calima ist ein Wetterphänomen, das alle paar Wochen mehr oder weniger stark auftritt.

Wind

Die Kanaren liegen bekanntlicherweise mitten im Meer und dort herrscht nahezu immer ein leichter Wind. Einige Ecken von Teneriffa sind stärker betroffen, einige eher wenig oder kaum. Der Medanostrand im Süden gilt als Surferparadies, was bedeutet, dass dort oder eigentlich im ganzen Süden der Wind stärker bläst als im Norden (Autos aus dem Süden haben oft einen leichten Sandstrahleffekt auf dem Lack zu sehen). Im Norden ist das Tal von La Orotava durch die umliegenden Berge sehr windgeschützt, 20 Km der Uferlinie entlang kann es dagegen bei mäßigen Wind im Tal schon richtig pfeifen.

Leben und Arbeiten auf der Finca

Bild: 2014 vor einem herzhaften Sturm

Das Leben auf einer Finca ist nicht immer ruhig

Eine Finca ist eine Landwirtschaft, auf der auch Tiere leben und mit Maschinen gearbeitet wird. Das bedeutet, dass schon weit vor dem Sonnenaufgang um 4 Uhr ein Hahn krähen kann, Hunde bellen, ein Esel schreit oder frühmorgens solange die Luft noch kühl ist, mit Motorsense oder Ackergeräten gearbeitet wird. Wer sich für ein Leben auf der Finca entscheidet, sollte mit all diesen Geräuschen vertraut sein und sie wohlwollend akzeptieren.

Auf fast jeder bewohnten Finca wohnt auch ein oder mehrere Hunde. Nähert sich eine Person oder ein Fremder einer Finca, geht oft eine Alarmkette von allen umliegenden Fincas los. Auch dieses sollte man zu jeder Tages- und Nachtzeit wohlwollend akzeptieren.

Leben auf der Finca - Biofinca la Castana

 

Leben auf einer Finca: Sauberkeit

Eine Wohnung oder Haus auf den Kanaren läßt sich nicht mit einem deutschen Haushalt vergleichen. Bereits kurz nach dem Staub wischen findet man schon wieder eine feine Staubschicht, insbesondere wenn der Calima Sand aus der Sahara mitbringt. Das gilt für Stadtwohnungen genauso wie in ländlichen Wohngebieten. Auf einer Finca mit umliegenden bewirtschafteten Bodenflächen vervielfacht sich dieser Effekt. Versteckte Ecken, die man über einen Zeitraum von 4 Wochen nicht bei der Reinigung erwischt hat, sehen aus wie jahrelang ungeputzt.

Heizung

Der Klimawandel macht auch vor den Kanaren nicht halt. Deswegen wird das Thema Heizung auf den Kanaren immer wichtiger. Im Süden der Insel in der Uferlinie ist dieses kein Thema, dort sollte man eher über eine Klimaanlage nachdenken. Wer aber in höheren Lagen oder im Norden wohnen möchte, wird feststellen, dass es beginnend ab Spätherbst abends doch frisch wird. Die feuchte Luft im Zusammenhang mit nächtlichen Temperaturen um die 15 Grad lassen ganz schnell den Wunsch nach einer Heizung aufkommen. Dafür gibt es viele geeignete und ungeeignete Lösungen. Eine Heizung mit Gasflaschen in der Wohnung ist mehr als schlecht, weil sie Sauerstoff verbrennt und Wasser abgibt.

Eine Holzofenheizung verbrennt ebenfalls Sauerstoff, zieht aber die Feuchte aus der Luft. Eine Infrarotheizung ist für kleine Räume oder kurzfristigen Wärmebedarf absolut geeignet. Eine Wärmepumpe ist nicht ganz billig in der Anschaffung, ist aber schnell überdimensioniert, weil der Temperaturbedarf bei meistens rund 5-10 Grad liegt (im Gegensatz zu Deutschland, mit einer Heizperiode von 6 Monaten und einem Temperaturbedarf von 20-40 Grad). Gerade bei einer Finca ist ein Holzofen oft eine solide und günstige Lösung mit hohem Wohlfühlbonus. Wir lieben die Abende im Winter (Januar/ Februar/ März) vor dem prasselndem Kamin bei lecker Wein, selbstgebackenem Brot und Käse.

Alt werden auf einer Finca

Wir werden alle älter und das ist auch gut so. Gerade jüngere Menschen vergessen das oft und suchen sich Immobilien/ Fincas ganz weit draußen oder ganz weit oben. Aber auch diese jungen Menschen werden alt und müssen dann oft eine Tagesreise mit dem Bus für einen 1/2 stündigen Arztbesuch in Kauf nehmen. Oder kommen bei schlechtem Wetter von ihren Fincas nur noch über langen Fußmarsch über Stock und Stein oder auch gar nicht mehr weg. Eine Finca sollte so liegen, dass sie auch ohne Auto mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen (oder im fußläufigen Bereich zu öffentlichen Verkehrsmitteln) ist. Die Finca selbst sollte so beschaffen sein, dass man sie auch noch im Alter und auch ggf. alleine bewirtschaften kann. Nur dann macht sie über lange Zeit wirklich Spaß.